Manche Dinge sind es sicher wert, dafür auch große Opfer zu bringen: Werte, Ideale – wie immer man es nennen möchte.

Manchmal zahlt es sich dann also auch aus, gleichsam „in Schönheit zu sterben.“

Manchmal aber, kann es auch sinnvoll sein, ein bisschen opportunistisch zu sein. Um eben gerade nicht in Schönheit zu sterben.

Oft ist wiederum eine Mischung aus Idealismus und Pragmatismus erforderlich. Doch es sollte wohl die richtige Mischung sein… Denn nichts ist letztlich ärgerlicher, als für „mittelmäßige“ Werte oder Ideale einen sehr hohen Preis zu zahlen. Oder aber auch, hohe Ideale zu einem zu niedrigen Preis zu verkaufen…

Es heißt, in der Politik strebten alle immer mehr in die Mitte. Alle scheinen auch irgendwie „liberal“ sein zu wollen. Doch liberal bedeutet nicht „überall“ – und Mitte muss nicht unbedingt heißen: billige Kompromisse und halbe Sachen.

Mitte kann auch heißen: möglichst ideologiefrei. Offen nach allen Richtungen, ohne Vorurteile.

Man könnte es vielleicht auch „radikale“ Mitte nennen: nicht Durchschnitt oder Mittelmäßigkeit, sondern klare, unvoreingenommene (aber eben auch pragmatische und bis zu einem gewissen Grade kompromissbereite) Positionen.

Manchmal mag also der Zweck die Mittel heiligen – manchmal aber eben auch nicht.

Wichtig ist, dass das RESULTAT stimmt. Denn was nützt das höchste Ideal, wenn man ihm nicht zumindest näher kommen kann? (Was aber auch, hilft die stärkste „Bewegung“, wenn ihre Richtung nicht stimmt?)

 

Eine Politik der Mitte sollt pragmatisch sein, sich aber dennoch an klaren Prinzipien orientieren.

Das heißt wohl, sie sollte vor allem ehrlich sein!

Statt ideologischer Einseitigkeit, das ganze, „große“ Bild sehen… Diffenernzieren.

Zu Kompromissen bereit zu sein, muss nicht heißen, dass man seine Ideale verrät. Im Gegenteil: es kann auch heißen, dass man ihnen so nahe kommt, wie es eben gerade möglich ist.

Auch das kann man ehrlich sagen.

 

 

 

 

Wir brauchen aber jemanden, der die etablierten Parteien dazu zwingt, endlich das zu tun, von dem sie ohnehin längst wissen, dass es richtig und notwendig wäre!

Wer brauchen jemanden, der Druck auf sie ausübt, damit sie endlich die Interessen der Bürger und nicht nur ihre eigenen Parteiinteressen vertreten; damit das Parlament wieder eine „Volksvertretung“ wird.

Wir brauchen eine unideologische Sammelbewegung von Leuten, die nicht selbst etwas „werden“ wollen; eine Gewaltentrennungs-Bewegung. („Gewalten teilen – statt immer nur umzuverteilen…“) Um die Eliten – oder besser: das Establishment – zu entflechten: Die Parteienoligarchie, das Medienoligopol, das Expertenkartell.

Reformen müssen überhaupt erst wieder MÖGLICH werden. Das wäre der Anfang: die Blockade durchbrechen. Den Bürgern wieder das Gefühl der „Selbstwirksamkeit“ geben. Ohne jedoch selbst Partei zu sein. Als Kontrollore im Parlament. Als Gegengewicht. Ohne an der Macht „bleiben“ zu wollen. (Zum Beispiel, indem jeder der „Kontrollore“ nur für eine Legislaturperiode kandidieren darf, höchstens für zwei.)

Derzeit gibt es Protestparteien, Populisten und immer höhere Wahlenthaltung. Und nichts ändert sich… Weil die Populisten und Protestparteien ja gerade davon leben, dass sich eben NICHTS ändert – was hätten sie sonst noch zu tun? (Und die Regierenden lassen sie einfach schimpfen – weil sie darauf vertrauen, dass ja die meisten Bürger weise genug sind, den Populisten keine Mehrheit zu geben – weil sie ja wissen, dass diese noch schlimmer wären… Man benützt Protestparteien, um sich ein bisschen abzureagieren – helfen tut es aber nicht!

Klüger wäre es da, entweder das jeweils noch geringste Übel zu wählen – oder, wenn einem dieses endgültig zu groß geworden ist, eben eine unparteiische Kontroll- und Reformplattform zu wählen – damit die Übel endlich einmal wieder kleiner werden.

Eine WEISSE STIMME gleichsam, die weitgehend auf Ideologie verzichtet – und deren Mitglieder sich nur nach bestem Wissen und Gewissen als Stellvertreter und Anwälte ihrer Wähler verstehen. (Um unsere Demokratie zu reparieren, den Bürgern wieder das Gefühl zu geben, dass die Demokratie funktioniert – die Bürger also wieder das Gefühl bekommen, mit ihrer Wählerstimme etwas bewirken zu können.)

PS: Natürlich kann es auch Spaß machen, mit einer „richtigen“ Partei in den Ring zu steigen. (Denn natürlich brauchen wir auch neue Paradigmen, ein neues Weltbild.) Doch bisher ist es den etablierten Parteien noch jedesmal gelungen, den Erfolg neuer Parteien zu vereiteln. Weil viele Menschen skeptisch sind gegenüber dem Neuen – und weil alles Neue daher auch viele Angriffsflächen bietet!

In unserem System sind die etablierten Parteien im großen Vorteil. (Wahlrecht, Medienoligopol, Parteienfinanzierung etc.) Daher müsste man wohl als ersten Schritt einmal das System reformieren – damit danach sozusagen bunte Reformpflänzchen blühen können… (Und die, die das System – also die Spielregeln und Rahmenbedingungen – reformieren, können wohl nicht dieselben sein wie jene, die danach auch das Land verändern wollen.)

 

Es GIBT im Grunde keine „objektive“ Berichterstattung. Daher wäre es letztlich am besten, einfach alle Argumente pro und contra zu Wort kommen zu lassen…

Gut wäre eine Diskussionssendung im TV, bei der es nicht – wie sonst – darum geht, zu beweisen, dass man Recht hat (also gleichsam die anderen zu besiegen); sondern, bei der der Moderator Regeln aufstellt bzw. durchsetzt, durch die es leichter wird, der „Wahrheit“ näher zu kommen. (Zumindest sollten sich die Teilnehmer – vor allem durch Ehrlichkeit – wenigstens darum BEMÜHEN, der Wahrheit etwas näher zu kommen – auch wenn man ja eine absolute Wahrheit weder kennt, noch überhaupt finden kann…)

Vielleicht eine Art „Mediation“, sozusagen.

Es müssten zu Beginn gleichsam alle Teilnehmer eine Art Rütli-Schwur ablegen, dass sie sich wirklich ehrlich um einen GEMEINSAMEN Fortschritt bemühen werden. (Statt nur wie Gladiatoren aufeinander loszugehen – und dadurch zu verhindern, dass konstruktive Lösungsvorschläge für Probleme gefunden – oder gar umgesetzt werden können.)

Im Grunde ginge es vielleicht darum, die eigene Sichtweise möglichst verständlich zu erklären und zu begründen. Beziehungsweise jene der anderen möglichst gut zu verstehen zu trachten… Sich also jeweils auch ein bisschen in die anderen hinein zu versetzen.

Natürlich müsste das alles relativ subtil vermittelt werden.

Erstens durch einen Titel, der nicht etwa DAS DUELL oder so ähnlich lautet – sondern z.B: SICHTWEISEN, Perspektiven, DIE HALBE WAHRHEIT, „Diskussionskultur“ oder so.

Weiters durch eine oder mehrere „vermittelnde“ Moderatoren-Persönlichkeiten.

Dann durch die Wahl der Gäste, aber auch die Formulierung der Themen.

Aber eben auch durch ein paar Regeln für einen konstruktiven Dialog!

Zum Beispiel, dass man nicht einfach Dinge behaupten darf/soll, sondern nur in der ICH-Form die eigenen Empfindungen und Wahrnehmungen schildern darf. „Ich sehe es so…“ Ich glaube…“ Nicht: „Es ist so…“

Man könnte da sogar einen Schiedsrichter haben, der Punkte vergibt – oder eine „gelbe Karte“ zeigt. Das könnte aber auch durch eine Publikumsbewertung – was noch besser wäre – erfolgen: Wer hat sich an die Regeln gehalten? Wer ist „Sieger“, weil er FAIRER und konstruktiver diskutiert hat? (Zum Beispiel könnte man dafür dann auch mehr/weniger Redezeit erhalten – die konstruktiven Teilnehmer „dürfen“ also mehr sagen, was der Diskussion gut täte…)

Die Teilnehmer könnten natürlich schon auch externe Quellen zitieren – aber eben als Zitat, nicht mit dem Anspruch: SO ist es – und nicht anders… (Denn es gibt ja für oder gegen fast alles einen „Experten“ oder eine Studie.)

Es ist wohl sicher so, dass Konflikte besser – also kreativer und für beide Seiten befriedigender – gelöst werden können, wenn jede Seite den Standpunkt der jeweils anderen Seite zumindest einiger Maßen kennen und nachvollziehen kann. Und auch die Beweggründe dafür! (Statt ununterbrochen nur die eigene Meinung, die eigene Ideologie, die eigenen Argumente zu WIEDERHOLEN – ohne wirklich auf die anderen einzugehen. Was fast immer zu einem Patt – und dadurch zum oft erlebten und beklagten Stillstand – führt.)

In vielen Diskussionen hören einander die Teilnehmer ja kaum zu – warten nur darauf, selbst wieder dranzukommen…

PS: Einige der oben genannten Punkte ließen sich übrigens auch auf Interviews übertragen.

 

„Nationalismus ist böse“ – darin sind sich fast alle einig. Müssen wir also alle Nationen abschaffen? So einfach ist es wohl nicht.

Im Grunde entstehen Nationen aus dem Gefühl der Verwandtschaft. Eine Nation ist eine größere Familie: Es gibt natürlich auch Menschen, die nicht viel von der Familie halten… Den meisten ist sie jedoch wichtig.

Es gibt einfach auch verschiedene Typen von Menschen: manche sind eher individualistisch, andere mehr kollektivistisch, wieder andere vor allem durch ihre Familie, ihren Stamm oder die eigene „Nation“ geprägt.

Jeder Ismus ist schlecht, auch der Nationalismus. Weil er eine Ideologie ist – also eine Teilwahrheit zur Rechtfertigung von Eigennutz… Weil er nationale Identität mittels äußerer Feindbilder definiert. Weil Abgrenzung dann auf Ausgrenzung beruht. (Und auf Polarisierung – und der nachfolgenden Projektion des als „negativ“ Angesehenen auf andere – etwa „die Ausländer“.)

Die Identifikation mit mehr oder weniger nahen Verwandten ist jedoch absolut natürlich – und kann daher niemandem verboten werden! Letztlich geht es wohl um konzentrische Kreise: von den nahe Verwandten zu den immer weniger nahe Verwandten. Das verhindern zu wollen, wäre weltfremd.

Jeder Mensch verdient Mitgefühl – aber nicht jeder Mensch steht jedem Menschen gleich nahe. (Und auch jene, denen dies nicht gefällt, werden hier eine Änderung realistischer Weise nicht erzwingen können.)

 

 

… gibt es immer noch!

1992 wurde von Martin Zumtobel die Wirtschaftspartei gegründet. Sie setzte sich ein für mehr Liberalismus, eine direktere Demokratie, mehr Effizienz in Staat und Verwaltung – vor allem aber auch für mehr Gerechtigkeit. Denn immer mehr hatte es sich eingebürgert, Gerechtigkeit als Synonym für Gleichheit zu verwenden. (Und obwohl Ungleichheit natürlich sehr ungerecht sein kann, muss ja Gleichheit keineswegs immer gerecht sein…)

Ihren Namen bekam die Wirtschaftspartei damals eigentlich von den Medien. Martin Zumtobel ist Unternehmer – also eben Wirtschaftspartei. Und dabei blieb es. Obwohl es eigentlich um viel mehr ging als „nur“ um Wirtschaft… Als 1993 das Liberale Forum auftauchte, wechselten einige der Proponenten der Wirtschaftspartei zu Heide Schmidt. Der „harte Kern“ um den Gründer Zumtobel hingegen, verschrieb sich vor allem dem Thema Demokratie- und Verwaltungsreform.

Trockene Themen, für die sich nur wenige interessierten – die dafür aber umso wichtiger sind. Themen auch, von denen fast jeder weiß und wusste, dass vieles viel besser sein könnte – auch wenn das die meisten (vor allem innerhalb der politischen Parteien) nur hinter vorgehaltener Hand zugeben. Nun, fast zwanzig Jahre später, lässt sich dies jedoch nicht mehr verleugnen oder verheimlichen.

An allen Ecken und Enden des politischen Spektrums tauchen ständig neue politische Initiativen auf. Und immer öfter wird auch über mögliche neue Parteigründungen spekuliert. Nicht zuletzt über eine „Wirtschafstpartei“. Doch die gibt es ja bereits…

Österreich könnte sicher ein wirklich liberale Partei der Mitte brauchen. Eine Bewegung, die sich für all die längst fälligen Reformen in Staat und Gesellschaft einsetzt…

Man könnte aber auch einfach das Wahlrecht verbessern, die Demokratie „direkter“ machen, das Preis-Leistungs-Verhältnis der Verwaltung verbessern – und eine Kultur der kreativen Wertschöpfung fördern; oder besser: diese endlich einmal zulassen!

Fest steht nur, dass es so nicht mehr lange weitergehen kann. Und wenn das die etablierten Parteien nicht einsehen, muss man ihnen eben Konkurrenz machen… Irgendetwas muss jedenfalls geschehen.

 

Demokratie und Markt ist nicht dasselbe – aber etwas ähnliches. Bürger sind sowohl Wähler als auch Konsumenten. Durch ihre Entscheidungen geben sie Wertungen ab: für Politiker, aber auch für Produkte und Leistungen. In der Demokratie hat jeder genau eine Stimme; auf dem Markt hängt die Kaufkraft von der Leistungsfähigkeit ab. Beides hat Vor- und Nachteile. Man könnte etwa sagen, es sei unfair, dass jeder Bürger genau eine Wählerstimme hat. Schließlich engagieren und interessieren sich manche Bürger mehr für die Demokratie, manche tun mehr für ihr Land; andere wiederum sind intelligenter oder aber auch tugendhafter. Dennoch hat jeder nur eine Stimme. Das ist nicht „gerecht“, aber es gibt keine objektiven Kriterien, nach denen man das Wahlrecht „gerechter“ verteilen könnte – und deswegen gilt eben „one man, one vote“.

Auf dem Markt haben manche größere Kaufkraft als andere. Das ist natürlich auch nicht immer fair. Denn nicht immer haben die Kaufkräftigen auch entsprechend mehr geleistet. Doch auch hier gilt: es gibt keine bessere Lösung. Denn das Leistungsprinzip ist an sich durchaus fair; außerdem steigert und verbessert es den Gesamtoutput an gesellschaftlichen Leistungen.

Nicht alles kann man kaufen; und nicht jeder Wert hat einen Preis. Andererseits ist auch nicht jedes System „demokratisch“ steuerbar… Wettbewerb ist wichtig, aber auch Kooperation. Die Chance, aus der Masse herauszustechen ist wichtig; aber eben auch gewisse Minimalrechte und -ansprüche für alle.

Es wäre natürlich sinnvoll, dass die Klügsten und Charakterstärksten eine Gesellschaft lenken und anführen. Aber nicht immer lassen sie sich bestimmen. Deshalb funktioniert eine Mischung aus dem Recht des/der Stärkeren/Besseren/Klügeren – und dem „gleichen Recht für alle und jeden“ letztlich am besten.

Manchmal ist Ungleichheit gut; manchmal Gleichheit. Marktkräfte und demokratisch-gleiche Mitbestimmung können einander gut ergänzen – gegenseitige Regulative sein.

 

Wie am Markt, bräuchte man wohl auch in der Demokratie einfach mehr Wettbewerb!

Denn dann würden die Parteien schon das Nötige tun – sie wissen es ja im Grunde… Aber sie haben zu wenig Wettbewerbsdruck.

Aber der Wettbewerb funktioniert weder innerhalb der Parteien, noch ZWISCHEN ihnen, noch in Bezug auf die Gewaltenteilung.

DAS müsste Hauptziel und Hauptmotto einer Initiative sein: Vorwahlen, direkte Persönlichkeitswahl, Volksabstimmungen auf Wunsch der Bürger… Und Wettbewerb der Gebietskörperschaften. Mehr bräuchte es gar nicht. (Parteienfinanzierung müsste auch noch von den Bürgern bestimmt werden: WER, WIE VIEL – und wenn sie ihre Versprechungen nicht erfüllen, kriegen sie im nächsten Jahr eben keinen Scheck – kriegt ihn zum Beispiel das Rote Kreuz oder sonstwer.)

Jetzt ist es eben ein Parteien-Kartell. Und Medien und „Experten“ noch dazu…Man bräuchte also eigentlich ja gar keine neuen Parteien – wenn der Wettbewerb zwischen den alten funktionierte – oder?

 

Brauchen wir eine oder mehrere neue Parteien? Nicht unbedingt. Auch ein neues Wahlrecht könnte einiges bewirken. Oder auch mehr direkte Demokratie. Theoretisch käme man wohl auch ganz ohne Parteien aus – obwohl es eigentlich in allen Demokratien zumindest zwei Parteien gibt… Wir brauchen an sich ja lediglich eine Regierung – und wir brauchen ein Parlament, einen Gesetzgeber. (In der Schweiz etwa, gibt es nicht einmal einen richtigen Verfassungsgerichtshof – weil der Souverän wichtige Fragen mittels direkter Demokratie selbst entscheidet…)

Kann man auch über „Initiativen“ die Politik beeinflussen? Ein wenig sicher. Aber irgendjemand muss ja dennoch die Gesetze beschließen und vollziehen. Und Initiativen bewirken nur etwas, wenn sie regierende oder zumindest im Parlament vertretene Parteien dazu zwingen können – ihren jeweiligen Interessen entsprechende – Gesetze zu erlassen. Und das geht nur über die Angst vor dem Verlust (oder die Hoffnung auf den Gewinn) von Wählerstimmen.

Gelingt dies nicht, muss „man“ (also das Volk) sozusagen selbst zu einer Wahl antreten – um den etablierten Parteien Stimmen (und damit auch viel Geld) streitig machen zu können. Und sei es nur, um dann im Parlament selbst für all die längst fälligen Refomen (Wahlrecht, direkte Demokratie, Verwaltung, Föderalismus, Steuern…) eintreten zu können.

Derzeit ist unsere Demokratie erstarrt. Sie hat keinerlei Selbstheilungskräfte mehr, kann sich nicht mehr selbst steuern oder gar regulieren. Der Staat ist verschwendungssüchtig und korrupt. Außerdem unterliegt die Politik einer negativen Auslese: es gehen fast nur noch Menschen in die Politik, die befürchten, sonst nichts „werden zu können“… Die Parteien sehen ihre Profilierungschance offensichtlich fast ausschließlich darin, einander gegenseitig zu beschuldigen und schlecht zu machen! Die Politik in Österreich ist in einem ständigen Rückzugsgefecht. Das einzige, was noch wächst, sind die Schulden – und die Unzufriedenheit der Menschen.

„Nach uns die Sintflut“, scheint das Motto der Etablierten zu lauten. „Nach der Sintflut: WIR!“, müsste daher wohl das Motto engagierter Bürger lauten… Sie könnten beginnen, sich selbst zu organisieren; untereinander „Vorwahlen“ abzuhalten, um Kandidaten für eine Wahl zu finden. Und sie könnten dann als Reformplattform zur nächsten Wahl antreten – um gleichsam als „Konkursverwalter“ des alten Systems, neue Spielregeln zu definieren, für eine neue Politik. Für eine DIREKTERE Demokratie, in der Politiker einzeln und persönlich gewählt werden (um als unmittelbare Stellvertreter und Anwälte ihrer Wähler, diesen Rechenschaft abliefern zu können.) Und eine Demokratie, in der eine qualifizierte Anzahl von Bürgern jederzeit eine Volksabstimmung zu wichtigen Fragen fordern kann – als Regulativ zu den Parteien. Neue Spielregeln aber auch, für mehr Sparsamkeit, Transparenz und Kreativität im Staat.

Eine Bürger-Reformplattform sollte vor allem aus Leuten bestehen, die nicht in erster Linie etwas „werden“, sondern etwas verändern wollen – und die daher, wenn die wichtigsten Weichen für eine demokratische Wiederbelebung gestellt sind, freiwillig wieder das Feld räumen. (Wie es sich eben für Konkursverwalter gehört.) Denn erst wenn das gesamte System reformiert ist, kann die ständig weiter ausufernde Symptombekämpfung ein Ende haben. Und dies kann wohl nur noch von außen erreicht werden.

Denn das System selbst ist längst orientierungslos – und völlig unfähig, sich aus sich selbst heraus zu erneuern.

 

 

 

Mitte heißt auch, von zwei Seiten zu kommen – oder eben von oben und unten.

Also praktische Mechanismen, auch Technologien, um etwa die Demokratie zu verbessern. Aber auch eine Philosophie. Also Prinzipien und ein Ethos. (Beispiel Religion: Das Kind nicht mit dem Bade ausgießen. Es gibt nicht nur entweder strengen konfessionellen Glauben – oder totalen Atheismus! Jeder sollte doch eher glauben, was er eben wirklich gerade selber glaubt; seinem Gewissen, der eigenen inneren Autorität folgend; sich nicht bevormunden lassen – dafür vielleicht aber lernen, sich immer besser selbst zu gehorchen…)

In die Mitte käme man aber auch, indem man eine Vision entwickelt und kommuniziert, wohin sich die Gesellschaft entwickeln könnte. Aber auch die Voraussetzungen dafür schafft, dass sich die Bürger selbst organisieren können, dass etwas Neues von unten her wachsen kann, aus der Mitte der Gesellschaft.

Aber was wäre so eine Vision? Vielleicht, dass wir eine innere, individuelle Revolution brauchen. Eine Befreiung des Einzelnen von inneren und äußeren Zwängen. Mehr Eigenverantwortung, weniger Bevormundung – aber auch mehr Empathie. (Und zwar im Sinne freiwilligen Verständnisses und Mitfühlens – statt durch verordnete Gleichmacherei. Was bringt denn die viel beschworene „Gleichheit“? Sie beraubt uns der Vielfalt – und eigentlich wäre ja eher das Seltene das Wertvolle!)

Noblesse oblige, heißt es – in diesem Sinne bräuchten wir vielleicht sogar eine neue Aristokratie… Aber auch Religion ist wichtig, nicht zuletzt als Mittel gegen den Größenwahn unserer Egos. Müssen wir uns unsere Religion allerdings von anderen vorschreiben lassen? Der reine Materialismus ist wohl kein wirklich stimmiges Welterklärungsmodell. Was uns jedoch manche als Alternative einreden wollen, ist ebenfalls mit Vorsicht zu genießen. (Das betrifft oft auch die Wissenschaft, die ja vielfach die Funktion einer Ersatzreligion erfüllen soll.) Wie wäre es denn, wenn jeder Einzelne einfach nur das glaubte, was ihm wirklich plausibel erscheint, was er selbst als richtig empfindet? (Dabei ist es sicher gut, für vieles offen zu sein, sich alles Mögliche anzuhören – aber letztlich dann doch höchstpersönlich zu entscheiden, ob es einem nun glaubwürdig und stimmig erscheint oder aber eben nicht.)

Mitte heißt aber wohl auch eine gesunde Mischung aus Optimismus und Realismus. (Statt andauernd hysterisch zwischen Überschwang und Panik zu schwanken.) Das Leben ist kein reines Honiglecken, aber für die meisten Dinge gibt es doch irgendeinen Ausweg. Doch überall lauern Scharlatane, die uns entweder den Himmel auf Erden verheißen – oder mit dem Weltuntergang drohen. Und die Medien verstärken dies. (Mit einer nüchternen Analyse hat man es hingegen schwer, überhaupt wahrgenommen zu werden.)

Aber auch eine gesunde Mischung aus Egoismus und Altruismus, aus Wettbewerb und Kooperation wäre wichtig. Auch wenn uns die meisten Denkschulen entweder brutale Konkurrenz oder aber grenzenlose Harmonie als einzige Möglichkeiten einreden wollen.

Mitte heißt aber auch, dass man meistens nur nehmen kann, wenn man auch bereit ist, etwas zu geben. Dass „Werte“ nicht zuletzt dadurch definiert sind, was man für sie auch zu opfern bereit ist.

Es gibt immer irgendwelche Konflikte – die Kunst läge darin, sie möglichst kreativ aufzulösen. Etwa, indem man alle Ressourcen möglichst dorthin bringt, wo sie den jeweils größten Nutzen stiften können. (Hier käme vielleicht auch das Konzept einer „Rollengerechtigkeit“ ins Spiel: je mehr jeder Einzelne hat, was er wirklich braucht – etwa, um die eigenen Fähigkeiten entfalten zu können – desto eher wird er dies wohl auch anderen zugestehen. Wer hingegen nicht hat, was er braucht, strebt nach immer mehr Ersatz – ohne jedoch je ganz zufrieden zu werden…)

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