Mitte heißt auch, von zwei Seiten zu kommen – oder eben von oben und unten.

Also praktische Mechanismen, auch Technologien, um etwa die Demokratie zu verbessern. Aber auch eine Philosophie. Also Prinzipien und ein Ethos. (Beispiel Religion: Das Kind nicht mit dem Bade ausgießen. Es gibt nicht nur entweder strengen konfessionellen Glauben – oder totalen Atheismus! Jeder sollte doch eher glauben, was er eben wirklich gerade selber glaubt; seinem Gewissen, der eigenen inneren Autorität folgend; sich nicht bevormunden lassen – dafür vielleicht aber lernen, sich immer besser selbst zu gehorchen…)

In die Mitte käme man aber auch, indem man eine Vision entwickelt und kommuniziert, wohin sich die Gesellschaft entwickeln könnte. Aber auch die Voraussetzungen dafür schafft, dass sich die Bürger selbst organisieren können, dass etwas Neues von unten her wachsen kann, aus der Mitte der Gesellschaft.

Aber was wäre so eine Vision? Vielleicht, dass wir eine innere, individuelle Revolution brauchen. Eine Befreiung des Einzelnen von inneren und äußeren Zwängen. Mehr Eigenverantwortung, weniger Bevormundung – aber auch mehr Empathie. (Und zwar im Sinne freiwilligen Verständnisses und Mitfühlens – statt durch verordnete Gleichmacherei. Was bringt denn die viel beschworene „Gleichheit“? Sie beraubt uns der Vielfalt – und eigentlich wäre ja eher das Seltene das Wertvolle!)

Noblesse oblige, heißt es – in diesem Sinne bräuchten wir vielleicht sogar eine neue Aristokratie… Aber auch Religion ist wichtig, nicht zuletzt als Mittel gegen den Größenwahn unserer Egos. Müssen wir uns unsere Religion allerdings von anderen vorschreiben lassen? Der reine Materialismus ist wohl kein wirklich stimmiges Welterklärungsmodell. Was uns jedoch manche als Alternative einreden wollen, ist ebenfalls mit Vorsicht zu genießen. (Das betrifft oft auch die Wissenschaft, die ja vielfach die Funktion einer Ersatzreligion erfüllen soll.) Wie wäre es denn, wenn jeder Einzelne einfach nur das glaubte, was ihm wirklich plausibel erscheint, was er selbst als richtig empfindet? (Dabei ist es sicher gut, für vieles offen zu sein, sich alles Mögliche anzuhören – aber letztlich dann doch höchstpersönlich zu entscheiden, ob es einem nun glaubwürdig und stimmig erscheint oder aber eben nicht.)

Mitte heißt aber wohl auch eine gesunde Mischung aus Optimismus und Realismus. (Statt andauernd hysterisch zwischen Überschwang und Panik zu schwanken.) Das Leben ist kein reines Honiglecken, aber für die meisten Dinge gibt es doch irgendeinen Ausweg. Doch überall lauern Scharlatane, die uns entweder den Himmel auf Erden verheißen – oder mit dem Weltuntergang drohen. Und die Medien verstärken dies. (Mit einer nüchternen Analyse hat man es hingegen schwer, überhaupt wahrgenommen zu werden.)

Aber auch eine gesunde Mischung aus Egoismus und Altruismus, aus Wettbewerb und Kooperation wäre wichtig. Auch wenn uns die meisten Denkschulen entweder brutale Konkurrenz oder aber grenzenlose Harmonie als einzige Möglichkeiten einreden wollen.

Mitte heißt aber auch, dass man meistens nur nehmen kann, wenn man auch bereit ist, etwas zu geben. Dass „Werte“ nicht zuletzt dadurch definiert sind, was man für sie auch zu opfern bereit ist.

Es gibt immer irgendwelche Konflikte – die Kunst läge darin, sie möglichst kreativ aufzulösen. Etwa, indem man alle Ressourcen möglichst dorthin bringt, wo sie den jeweils größten Nutzen stiften können. (Hier käme vielleicht auch das Konzept einer „Rollengerechtigkeit“ ins Spiel: je mehr jeder Einzelne hat, was er wirklich braucht – etwa, um die eigenen Fähigkeiten entfalten zu können – desto eher wird er dies wohl auch anderen zugestehen. Wer hingegen nicht hat, was er braucht, strebt nach immer mehr Ersatz – ohne jedoch je ganz zufrieden zu werden…)

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